Wieviele Leben hat Kaffee?

Wieviele Leben hat Kaffee?

NIchts ist in Rom selbstverständlicher, als einen Kaffee an der Bar zu bestellen. Der barista füllt dann den Filter mit frisch gemahlenem Kaffee, stellt eine weiße Porzellantasse darunter und wartet bis die duftende caffè crema hinein fliesst.

Kaum jemand achtet darauf, wie er kurz darauf den Filter heraus nimmt und leert.

Ein barista klopft täglich etwa einhundert bis zweihundert mal Kaffeesatz in die Tonne.

Wieviel Kaffee trinken Italiener?

In Italien gibt es rund 150.000 Kaffeebars. Eine Bar serviert durchschnittlich 200 Kaffees pro Tag. Zusammen mit dem Kaffee zu Hause kommen jährlich 6g pro Kopf zusammen.  

Wieviel Kaffee trinken Deutsche?

Auch Deutschland gehört zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Kaffeekonsum. 164 Liter Kaffee werden in Deutschland jährlich pro Kopf getrunken. Damit entstehen jedes Jahr etwa 20 Millionen Tonnen Kaffeesatz.

Wieviel Kaffee wird weltweit getrunken?

Nicht nur in Italien und Deutschland, sondern auf der ganzen Welt ist Kaffee das am zweithäufigsten konsumierte Getränk nach Wasser. Der Kaffeekonsum nimmt stetig zu. Auch in Japan und China steigt die Zahl der Kaffeetrinker.

Täglich werden weltweit 2,6 Milliarden Tassen getrunken.

Somit falllen Milliarden Tonnen Kaffeesatz an, der Großteil davon landet ungenutzt im Müll.

Ist Kaffeesatz Abfall?

Zugegeben, auch bei mir wandert Kaffeesatz in den Abfall. Hin und wieder habe ich ihn zum Putzen verwendet, mit aber sonst keine weiteren Gedanken darüber gemacht.

Bis ich kürzlich auf einer Erfindermesse in Rom ein Hemd aus recyceltem Kaffeesatz sah.

Stoff aus Kaffeesatz – wie geht das und wie kommt es dazu?

Eine geniale Idee!

Alles beginnt in einer Kaffeebar in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Eine Kundin lässt sich Kaffeesatz einpacken, um zu Hause den schlechten Geruch ihres Kühlschranks zu neutralisieren.

Das beobachtet Jason Chen, Geschäftsführer der Textil – Firma Singtex, und hat einen Geistesblitz: er will die geruchshemmende Eigenschaft von Kaffeesatz auf Textilien übertragen.

Er experimentiert jahrelang. 2009 bringt er eine Polyesterfaser aus dem Abfallprodukt Kaffeesatz auf dem Markt. Das Patent heißt S.Café® und wird zum Erfolg.

Kaffee zum Anziehen

Die besondere Garnstruktur der Faser bindet Geruch und Schweiß. Sie eignet sich deshalb perfekt für Funktionskleidung. Die Textilien haben ausserdem einen hohen Tragekomfort, sind geruchsneutral, schnell trocknend und bieten Schutz vor UV – Strahlung.

Rückstände aus einer Tasse Kaffee reichen laut Chen für etwa zwei bis drei T-shirts. 

Mittlerweile gibt es sogar die Variante S.Café® ICE-CAFÉ™. Diese Erweiterung der Technologie sorgt für einen extra Kühleffekt. Sie tragen sozusagen einen Eiskaffee direkt auf der Haut. Die Vorstellung klingt prickelnd und der Name richtig lecker.

Kaffeetasse aus Kaffee

Eine weitere geniale Idee zum Recyceln von Kaffeesatz entsteht zur gleichen Zeit am Tresen eines Cafés in Bozen.

Dort studiert Julian Lechner 2009 Produktdesign. Beim täglichen Kaffeetrinken denkt er über die Reste des Kaffeekonsums nach. 

Daraus entsteht die Vision, aus altem Kaffeesatz neue Kaffeetassen zu fertigen.

Nachhaltigkeit trifft auf Design

Nach zahlreichen espressi und Experimenten entsteht der Prototyp einer Kaffeetasse.  2015 gründet Julian Lechner das Label Kaffeeform.

Diese junge Berliner Firma recycelt Kaffeesatz lokaler Gastronomen zu neuen Kaffeetassen.

Die Mehrweg – Tassen von Kaffeeform sind schön kaffeebraun, solide, spülmaschinenfest und recycelbar. 

Coffee to go

Kaffeeform hat auch Coffee to go – Becher im Sortiment, sie heißen Weducer Cup.

Diese nachhaltigen Becher werden dringend gebraucht, denn laut einer Studie des Umweltbundesamtes nutzen die Bundesbürger im Jahr 2,8 Milliarden Wegwerfbecher.

Das sind pro Kopf 34. Hinzu kommen 1,3 Milliarden Deckel.

In Berlin sind es 170 Millionen Einwegbecher im Jahr, 20.000 pro Stunde, berichtet Benjamin Bongardt von der Senatsverwaltung für Umwelt.

Die Becher verstopfen die Mülleimer und vermüllen die Parks.

Etwas mehr dolce vita, bitte!

Einerseits tragen zum Glück Erfindungen wie diese nachhaltigen to go Becher zur Lösung unseres Müllproblems bei.

Andererseits stellt sich auch die Frage: muss es immer to go sein?

Ich persönlich möchte nicht mit einem Kaffeebecher durchs Leben hasten.

Am liebsten genieße ich bewusst und nehme mir Zeit dazu. Ich bin für eine gepflegte Esskultur und Entschleunigung.

Einkehren ist eine der vielen Alternativen zu to go. Hinsetzen, runterkommen, in die Sonne blinzeln, entspannen, plaudern, lächeln, genießen.

Ob alleine oder mit lieben Menschen, im Urlaub, am Wochenende, einfach mal zwischendurch oder – wer weiß –  bei Ihrem nächsten Rombesuch.

Das klingt doch richtig schön, oder?

A presto!

 

Quellen


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.