Wie die Kirschen nach Rom kamen

Wie die Kirschen nach Rom kamen

Kirschen gehören zu den großen Sommerfreuden.

Haben Sie auch schon einmal auf einem Feld unter einem Kirschbaum gestanden und die Kirschen von den Zweigen gegessen?

Küsse sind wie Kirschen, so sagt man hier

Ein verbotener Hochgenuss, denn geklaute Kirschen sind besonders süss: le ciliegie rubate son più dolci.

Aber bitte nicht zu viele davon essen, denn Kirschen schmecken sauer, wenn der Vogel satt ist: quando l’uccello è sazio le ciliegie diventano amare. Im deutschen schmeckt bekanntlich das Mehl bitter, wenn die Maus satt ist.

Unbekannt ist im Italienischen übrigens die Redewendung ‘mit jemandem ist nicht gut Kirschen essen‘. Dafür heisst es hier i baci sono come le ciliegie – uno tira l’altro.

Das bedeutet: Küsse sind wie Kirschen, man kann einfach nicht aufhören.

Wie wahr! Das sahen sicher die Römer vor zweitausend Jahren auch schon so.

Import aus der Ferne

Laut Plinius dem Älteren importierte Lukullus aus der Stadt Giresun am Schwarzen Meer Kirschen nach Rom (Naturalis Historia, um 77 nach Christus). Von hier breiteten sie sich dann in kurzer Zeit bis nach Britannien aus.

Wahrscheinlich war damit eine einzelne Zuchtform gemeint. Die Wildform der Kirsche, die Vogel-Kirsche, war in Europa mindestens seit der Steinzeit weitverbreitet, wie archäologische Funde beweisen. 

Wer war Lukull?

Lucius Licinius Lucullus (117-56 vor Christus) war ein römischer Senator, Feldherr und Eroberer des kleinasiatischen Königreiches Pontos.

Legendär wurde Lukullus aber vor allem durch seine üppigen Gelage. Auch heute noch ist er in aller Munde – wer hat nicht schon mindestens einmal im Leben ein lukullisches Mal verzehrt?

In und um Rom besaß er gleich mehrere Gärten und Villen.

Mitten in der Stadt in der Nähe der Spanischen Treppe wurden Reste einer dieser Gartenanlagen entdeckt. Sie liegen neun Meter unter dem Max Planck Institut für Kunstgeschichte, bekannt als Biblioteca Hertziana.

Beim Umbau der Bibliothek 2007 kamen Teile eines mit Mosaiken ausgeschmückten Nymphäums ans Licht. Auf 175 Mikropfählen, etwa 50 Meter tief im Erdreich verankert, erheben sich heute die Fundamente des Neubaus über den Ausgrabungen.

Wenn Sie demnächst mal wieder Kirschen essen oder über die Spanische Treppe flanieren, grüßen Sie im Stillen an Lukullus, den berühmtesten der römischen Genießer.

A presto!


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