Speisen im Schatten des Vesuv

Speisen im Schatten des Vesuv

Eine Strasse in Pompeji mit dem Vesuv im Hintergrund

An einem Herbsttag des Jahres 79 nach Christus beendet der Ausbruck des Vesuvs das Leben der römischen Städte Pompeji und Herculaneum schlagartig und endgültig.

Der letzte Tag in Herculaneum beginnt wie immer. Früh morgens schiebt ein Bäcker noch sein Brot in den Ofen. Er sollte es nicht mehr fertigbacken.

In wenigen Stunden verschwindet die kleine Hafenstadt mit dem herrlichen Blick auf den Golf von Neapel unter einer meterhohen Schicht aus Lava.

Verkohltes Essen

Das Brot des unbekannten Bäckers wird erst 1930 von Archäologen aus dem Ofen geholt.

Verkohltes Brot aus Pompeji
Verkohltes römisches Brot
Die Ausgrabungen von Herkulaneum mit dem Vesuv im Hintergrund
Die Ausgrabungen von Herkulaneum mit dem Vesuv im Hintergrund

Aus heutiger Sicht ist der Vulkanausbruch ein Glücksfall für die Archäologie. Denn dadurch wird das Alltagsleben der römischen Städte wie eine Momentaufnahme für die Nachwelt konserviert.

Während es in Pompeji Asche und Bimssteinbrocken regnet, ergiessen sich über Herculaneum Glutlawinen mit Temperaturen von über 300 °C. Sie töten die Menschen binnen Sekunden und karbonisieren organisches Material.

Verkohlte Oliven aus Pompeji
Verkohlte Oliven aus Pompeji

Speiseplan im alten Rom

Verkohlte Lebensmittel wie Feigen, Oliven, Nüsse, Bohnen, Erbsen, Knoblauch, Trauben, Granatäpfel und Brot haben in Küchen, Läden und Schänken ganze zwei Jahrtausende überdauert!

Sie erlauben uns einen guten Einblick in die Ernährung im alten Rom.

Verkohlte Feigen aus Pompeji

Fleisch der Armen

Archäologen fanden auch  Vorräte von Kichererbsen, Saubohnen, Linsen, Erbsen und Lupinen.

Verkohlte Kichererbsen aus Herculaneum
Verkohlte Kichererbsen aus Herculaneum

Sie gehörten damals zu den Grundnahrungsmitteln und wurden vor allem von all jenen verzehrt, die sich kein Fleisch leisten konnten – das war in Europa übrigens bis vor nicht allzu langer Zeit ein Großteil der Bevölkerung.

Sie waren damals sozusagen das Fleisch der Armen.

Kraftfutter der Gladiatoren

Auch auf dem Speiseplan römischer Gladiatoren standen Hülsenfrüchte.

Woher wir das so genau wissen? Gerichtsmediziner aus Wien und Bern haben Knochen eines Gladiatorenfriedhofs aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christus in Ephesos (heutige Türkei) untersucht.

Die Untersuchungen ergaben, dass Gladiatoren praktisch Vegetarier waren! Sie ernährten sich hauptsächlich von Gerste, Bohnen und getrockneten Früchten.

Daher stammt wohl ihr überlieferter Spitzname hordearii: Körnerfresser.

Verkohltes Getreide aus Pompeji
Verkohltes Getreide aus Pompeji

Wo die Zeit stehengeblieben ist

Ein Besuch in Pompeji und Herculaneum lohnt sich! Ich war schon mehrmals dort und bin immer wieder fasziniert. Wenn ich durch die antiken Straßen gehe, stelle ich mir das Leben in den Häusern vor: duftendes Brot in den Auslagen der Bäckereien, sanftes Plätschern des Wassers in den Thermen, das Lachen der Gäste im Triclinium.

Es fühlt sich dort an, als sei die Zeit stehen geblieben. Natürlich: denn sie ist ja stehengeblieben. An einem Herbsttag des Jahres 79 nach Christus.

Ein Tag im alten Rom

Von Rom aus brauchen Sie mit dem Auto etwa drei Stunden bis zum Golf von Neapel und dem Vesuv.

Falls Sie nicht so lange fahren möchten, können Sie auch ganz in der Nähe von Rom eine antike römische Stadt besuchen: Ostia Antica.

Ein Spaziergang über die alten Pflastersteine führt Sie zu Wohnhäusern, einem Theater, Schänken und Thermen. Sogar eine antike Getreidemühle sehen Sie dort. 

Die Ausgrabungen sind das ganze Jahr über in grün gebettet, vom Meer weht meistens eine angenehme Brise herüber. Ostia Antica ist ein optimaler Kontrapunkt zu Rom. Übrigens: wenn Sie einen Badeanzug mitbringen, können Sie nach der Besichtigung noch einen Abstecher zum Strand machen.

A presto!


Tipp: Auf meiner Tour durch Ostia Antica erfahren Sie mehr über den Alltag im alten Rom.


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