Martinsfest auf italienisch

Martinsfest auf italienisch

Nördlich der Alpen gehören Laternen, ein Pferd mit Reiter und süße Brezeln zu Sankt Martin. Hier in Italien gibt es am Martinsfest Kastanien, buntes Gebäck und vor allem Wein.

San Martino ogni mosto diventa vino 

An Sankt Martin wird jeder Most zu Wein. Dieser schöne Reim beschreibt das italienische Martinsfest am besten.

Bis ich nach Italien kam, kannte ich den Heiligen nur als barmherzigen Mann, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilt.

Was hat eigentlich Sankt Martin mit Wein zu tun?

Der Martinstag fält in die Zeit nach der Weinernte, wenn der Most ausreichend fermentiert hat. Nun werden die Fässer aufgemacht, um den neuen Wein zu kosten.

Das Anschlagen der Fässer war schon immer ein ganz besonderer Moment für die Weinbauern. In vielen italienischen Orten gibt es deshalb zum Martinstag Weinfeste. Viele Weingüter öffnen die Pforten, um den vino novello mit ihren Gästen zu feiern.

Das gemeinsame Glas Wein ist ein Dank für die Ernte zum Abschluss des Erntejahres. Und es ist auch eine symbolische Gabe an den Heiligen Martin, den Schutzpatron der Winzer.

San Martino castagne e vino

Zu Sankt Martin gibt es Kastanien und Wein. Auch dieses Sprichwort beschreibt eine italienische Tradition zum Martinsfest. Der Herbst ist Kastanienzeit, somit sind castagne und vino eine perfekt herbstliche Kombination.

Wenn sie heiß aus dem Ofen kommen, wärmen sie zusammen mit einem guten Wein den Magen und das Herz.

Früher ernährten sich die Bauern im Winter zum Teil von Kastanien. Sie kamen gekocht, gebacken, als Suppen, Kuchen und Fladen auf den Tisch. Nicht umsonst galten sie als Brot der Armen.

Kastanien stecken auch heute noch in vielen italienischen Rezepten. Zum Beispiel im castagnaccio, einer Torte aus Kastanienmehl mit Pinienkernen, Rosinen und Olivenöl.  

Biscotto di San Martino

Was wäre ein Fest ohne etwas Süßes ?

In der Gegend von Palermo wurde früher das Anschlagen der Weinfässer mit dem biscotto di San Martino gefeiert, von den Frauen der Weinbauern zu diesem besonderen Anlass frisch gebacken.

Das Gebäck mit Schmalz duftet fein nach Anis und ist heute noch beliebt. Es wird in süßen Muskatwein getaucht.

Biscotto di San Martino

In Sizilien gibt es zu Sankt Martin auch sfinci di San Martino. Im Teig der frittierten Bällchen stecken Hartweizengrieß, gekochte Kartoffeln, abgeriebene Orangenschale und etwas Zimt.

Sfinci di San Martino

Die Konditoren in Venedig machen zum Martinsfest ein Gebäck, das den Heiligen auf seinem Pferd darstellt. Es wird üppig mit Süßigkeiten geschmückt – ein symbolischer Ausdruck von Reichtum und Fülle, aber auch von italienischer Lebensfreude.

Sankt Martin aus Venedig

Estate di San Martino

Der Martinisommer oder Martinssommer ist eine Schönwetterperiode um den 11. November.

In dieser Zeit schenkt die Natur uns oft noch einmal milde und warme Tage, kurz bevor sie während der dunklen Jahreszeit in Winterschlaf verfällt.

Der Name hat mit der Legende des Heiligen Martin zu tun.

Als der römische Soldat Martinus dem frierenden Bettler die Hälfte seines warmen Militärmantels schenkt, endet angeblich schlagartig die bittere Kälte. Wolken tun sich auf und Licht erhellt die dunkle Straße von Amiens.

In der folgenden Nacht träumt Martin von Jesus Christus, der in seinen halben Mantel gehüllt ist. Er dankt Martin für seine Güte, Selbstlosigkeit und Nächstenliebe.

A presto!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.